Vielfalt als Prinzip: Wie Mixed Ecology Kirche als lebendiges Ökosystem beschreibt

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Ecclesial Futures ist ein Beitrag von Andrew Dunlop erschienen, der die Entwicklung und Umsetzung der sogenannten Mixed Ecology of Church in der Church of England untersucht. Grundlage seiner Analyse ist eine umfassende Auswertung der Visionen, Strategien und öffentlichen Dokumente von 40 Diözesen. Dunlop beschreibt, wie sich in den vergangenen Jahren eine deutliche Bewegung hin zu einem vielfältigen kirchlichen Landschaftsbild erkennen lässt.

Gleich zu Beginn definiert er, was mit Mixed Ecology gemeint ist:

Mixed Mixed Ecology bezeichnet das Miteinander von traditionellen und neuen Formen von Kirche, die gemeinsam und wechselseitig aufblühen.

The mixed ecology is a term that has come to denote both traditional and new forms of church mutually flourishing alongside one another. – Andrew Dunlop

Was heißt eigentlich „Mixed Ecology“?

Ein gutes Bild dafür ist ein Ökosystem: Viele Pflanzen, unterschiedliche Tiere, verschiedene Lebensräume – alles hängt miteinander zusammen. Keine Art allein macht den Wald aus; es ist die Vielfalt, die das Ganze trägt.

Übertragen auf Kirche bedeutet das:
Es gibt klassische Gemeinden, neue Gemeinschaften, pionierhafte Projekte, digitale Räume, Segensorte, FreshX-Formate und spirituelle Experimentierräume – und all das gehört zusammen.
Nicht als Konkurrenz.
Nicht als „normal“ und „experimentell“.
Sondern als verschiedene Ausdrucksformen desselben kirchlichen Auftrags.

Dunlop betont jedoch, dass Mixed Ecology keine bloße Koexistenz meint. Es geht ihm ausdrücklich nicht um ein zufälliges Nebeneinander:

Ein Ansatz nach dem Prinzip des kleinsten gemeinsamen Nenners […] greift zu kurz.

A ‘lowest common denominator’ approach […] is not a good definition. – Andrew Dunlop

Stattdessen gehe es um eine aktive, gegenseitige Beziehung zwischen unterschiedlichen Formen. Dunlop zeigt anhand zahlreicher Beispiele, wie diese Entwicklung in verschiedenen Diözesen praktisch sichtbar wird: durch Fresh Expressions, durch Ressourcenkirchen, durch gemeinsame missionarische Projekte oder durch lokal gewachsene Netzwerke. Besonders interessant ist sein Befund, dass viele Diözesen bereits vor der nationalen Strategie von 2021 in diese Richtung unterwegs waren. Mixed Ecology ist für ihn deshalb weniger ein neues Konzept, sondern eher eine Beschreibung dessen, was sich de facto entwickelt hat.

Seine Analyse macht deutlich, dass Mixed Ecology nicht ein einziges Modell meint, sondern ein breites Spektrum an Formen, die je nach örtlichem Kontext unterschiedlich aussehen können: traditionelle Pfarreien, frische Ausdrucksformen, neue Gottesdienstgemeinschaften, sozialraumorientierte Initiativen oder größere Pflanzprojekte. Entscheidend ist die Verbindung zwischen ihnen – also das, was er immer wieder als active partnership bezeichnet.

Warum das gut zu unserem Weg im Bistum Speyer passt

Viele dieser Gedanken spiegeln Entwicklungen wider, die wir im Bistum Speyer seit einiger Zeit verfolgen: Der aktuelle Entwurf zur Strukturreform beschreibt Kirche als Netzwerk von Segensorten und orientiert sich genau an dieser Logik. Territoriale Gemeinden, personelle Gemeinden, Gemeinschaften und Pionierorte bilden gemeinsam ein vielfältiges kirchliches Ökosystem. Pionierstellen haben klare Mandate und Verträge, und Leitung versteht sich zunehmend als Aufgabe, Räume zu öffnen, Verbindungen zu fördern und Lernprozesse zu begleiten.

Dunlop beschreibt die Mixed Ecology als eine kirchliche Entwicklung, die bereits im Alltag vieler Diözesen sichtbar ist – nicht als fertige Theorie, sondern als konvergierende Praxis. Die Mischung entsteht durch lokale Initiativen, durch diözesane Förderung, durch strategische Leitbilder und durch das Zusammenspiel unterschiedlicher ekklesiologischer Traditionen.

In diesem Sinne könnte man sagen: Mixed Ecology ist die theologische und strategische Landkarte – Segensorte sind unsere regionale Umsetzung davon.

Theologie und Organisation

Am Ende fasst Dunlop zusammen:

Eine vielfältige kirchliche Landschaft […] ist für Auftrag und Wirken der Kirche in der heutigen Gesellschaft unverzichtbar.

A mixed ecclesial landscape […] is necessary to the mission and ministry of the church in contemporary society.” – Andrew Dunlop

Mixed Ecology beschreibt damit ein kirchliches Ökosystem, das auf Vielfalt angewiesen ist – und auf Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Formen. Für die Arbeit an Segensorten, Pionierstellen und neuen Ausdrucksformen kirchlicher Präsenz bietet der Artikel eine hilfreiche Orientierung und einen internationalen Referenzpunkt.

Das Modell verbindet eine theologische Perspektive – Gottes Wirken zeigt sich vielfältig und kontextuell – mit einer organisatorischen Konsequenz: Strukturen, Rollen und Verantwortlichkeiten müssen so gestaltet sein, dass verschiedene Formen von Kirche parallel existieren und sich gegenseitig stärken können.

Damit liefert Mixed Ecology eine klare Sprache und ein strategisches Modell, um kirchliche Vielfalt nicht nur zu beschreiben, sondern gezielt zu fördern.



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