Einüben einer anderen Grammatik

Inhalt dieses Blogs ist der zweite Teil zur Ersten Internationalen Konferenz in Santa Marta in Kolumbien: Alternativen aufzeigen, um die Abhängigkeiten von fossilen Brennstoffen zu überwinden. Wie stark wird dieser Anstoß sein, um bisherige Trägheiten aufzubrechen und diplomatische Blockaden zu überwinden?

Ein Wort zum Austragungsort Santa Marta. Er ist einer der ältesten Städte Kolumbiens, erbaut durch die Hände und die Kraft versklavter Menschen, die im Hafen von Cartagena an Land gingen. Der Hafen war während der Kolonialzeit einer der zentralen Umschlagplätze für versklavte Afrikanerinnen und Afrikaner im spanischen Amerika. In diesem Gebiet liegt die Sierra Nevada, eine Gebirgs- und Talgruppe, die indigenen Völkern heilig ist; sie betrachten sie als „Él corazón del mundo“. In der Nähe starb der Befreier Simón Bolívar, eine Schlüsselfigur in der Geschichte des Landes.

Diese geschichtsträchtige Stadt wurde ausgewählt, um oben genannte Konferenz zu beherbergen, die von zwei Frauen geleitet wurde: der kolumbianischen Umweltministerin Irene Vélez Torres und der niederländischen Ministerin für Klima und grüne Entwicklung Stientje van Veldhoven.

Zur Konferenz „Beyond Fossil Fuels“ Ende April will ich heute Auszüge einer vielbeachteten gemeinsamen Reflexion der kontinentalen katholischen Bischofskonferenzen von Afrika, Lateinamerika und der Karibik sowie Asiens zusammen mit Vertretern der Kirche in Europa und Ozeanien zitieren.

Während formelle UN-Prozesse (wie die jüngste COP30) sich schwertun, direkt ein Ende von Öl, Gas und Kohle zu fordern, hat die von Kolumbien und den Niederlanden gemeinsam organisierte Konferenz von Santa Marta einen Schritt nach vorne gemacht. Das Ende des Zeitalters der fossilen Brennstoffe ist ein moralischer Imperativ.

In Santa Marta ging es darum, einen Fahrplan zu entwerfen, wie der konkrete Ausstieg aus fossilen Brennstoffen umgesetzt werden kann, ohne jemanden zurückzulassen.                            

Einige Kernpunkte seitens der Kontinentalen Bischofskonferenzen zur Tagung in Santa Marta aus der Perspektive einer integralen Ökologie, die darauf abzielt, sowohl den „Schrei der Erde“ als auch den „Schrei der Armen“ zu heilen:

1. Eine ‚Koalition der Willigen‘.

Im Gegensatz zu anderen Gipfeltreffen war Santa Marta als Forum für Länder konzipiert, die bereits bereit sind, das Tempo zu erhöhen. Das Ziel bestand nicht darin, einen einstimmigen Konsens unter fast 200 Ländern (von denen viele von Ölinteressen abhängig sind) zu suchen, sondern einen Block von mehr als 50 Nationen zu konsolidieren, die entschlossen sind, Maßnahmen für einen echten Übergang weg vom extraktivistischen Modell umzusetzen … (und) nach dem Prinzip der Verantwortung für das Gemeinwohl (zu handeln).

2. Schuldenerlass im Austausch gegen Klimaschutzmaßnahmen. Die Fossil-Brennstoff-Falle durchbrechen.

Eines der wirkungsvollsten Ergebnisse war die Fokussierung auf wirtschaftliche Gerechtigkeit … (Von sogenannten) Entwicklungsländern könne nicht erwartet werden, auf ihre Einnahmen aus fossilen Brennstoffen zu verzichten, wenn sie unter der Auslandsverschuldung ersticken … Die Botschaft war klar: Ein gerechter Übergang erfordert Mechanismen zum Schuldenerlass und einen Globalen Fonds für einen gerechten Übergang zur Finanzierung der wirtschaftlichen Diversifizierung. Aus ethischer Sicht können wir nicht von einem Übergang sprechen, wenn dieser mehr Armut verursacht …

3. Keine neuen Bohrlöcher und keine Exploration.

Die Konferenz bekräftigte den wissenschaftlichen Konsens, dass zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze keine neuen Förderprojekte begonnen werden dürfen …

4. Rechtsreformen und die Zügelung von Konzernen.

Ein technisches, aber entscheidendes Thema war die Diskussion über Investor-Staat-Streitbeilegungsmechanismen (ISDS), im Einklang mit der … Kritik am technokratischen Paradigma (LS 101). Dieses Paradigma geht davon aus, dass sich Markt und Technologie selbst regulieren, und ignoriert dabei ethische Grenzen.

Daher gibt es bestehende Verträge wie ISDS, die es Ölkonzernen ermöglichen, Staaten zu verklagen, wenn diese Klimamaßnahmen umsetzen wollen; mit anderen Worten: Diese Verträge erlauben es großen Ölkonzernen, Länder zu verklagen, die ambitionierte Klimagesetze verabschieden. In Santa Marta wurden Fortschritte bei der Idee erzielt, diese rechtlichen Schutzmechanismen abzuschaffen, die fossile Brennstoffanlagen gegen das Gemeinwohl abschirmen. Dies ist ein Schritt hin zur Rückgewinnung der politischen Kontrolle über die Wirtschaft zugunsten des Lebens.

5. Überliefertes Wissen und integrale Ökologie.

Die Beteiligung indigener Völker und lokaler Gemeinschaften war nicht nur symbolisch. Es wurde betont, dass die Energiewende eine Wiederholung der Ausbeutungsmuster der Vergangenheit … vermeiden muss. Der vorgeschlagene Fahrplan fordert, dass die neue Energiematrix dezentralisiert, demokratisch und respektvoll gegenüber der Biodiversität sein muss.

Santa Marta hat uns gezeigt, dass es Leben – und Hoffnung – jenseits des Öls gibt. Der Weg in eine dekarbonisierte Zukunft ist komplex und mit wirtschaftlichen Herausforderungen gespickt, aber zum ersten Mal haben wir eine Koalition, die entschlossen ist, ihn mit einem klaren Kompass zu beschreiten: Gerechtigkeit. Dies ist eine neue Form des Multilateralismus von unten. Ein gerechter Übergang ist nicht nur eine wirtschaftliche Strategie; er ist ein Akt der Versöhnung mit der Schöpfung und eine Garantie für Gerechtigkeit für künftige Generationen.”

Santa Marta soll kein isoliertes Ereignis gewesen sein, sondern ein Schritt eines Prozesses. Eine zweite Konferenz ist für 2027 bestätigt und wird in Tuvalu stattfinden, einem kleinen Inselstaat im Südpazifik, der aus neun Inseln und Atollen mit etwa 11.000 Einwohnern besteht; sie gehören zu den am stärksten vom Klimawandel bedrohten Nationen. Auch die nächste Konferenz wird unter einem gemeinsamen Vorsitz stehen: Tuvalu und Irland.

  1. Juni 2026

Pirmin Spiegel


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