„Meilenstein“, „starkes Signal“, „kein Nischenthema mehr.“ „Von Santa Marta geht ein starkes Signal aus: Die Zukunft der Energieversorgung ist erneuerbar – und ein großer Teil der internationalen Gemeinschaft geht diese jetzt, gemeinsam und entschlossen an,“
sagt Jochen Flasbarth, Umweltstaatssekretär in der Bundesregierung und ein langjährig Vertrauter und Geerdeter in Klimafragen, zum Treffen in Santa Marta in Kolumbien. Dem Treffen in Kolumbien, das Ende April in Santa Marta, stattfand, gilt dieser und mein nächster Blog.
Seit drei Jahrzehnten kommen die Länder jährlich zu UN-Konferenzen zusammen, um zu versuchen, den Klimawandel einzudämmen. Selten wurden die Hauptverursacher der Klimakrise – Erdöl, Erdgas und Kohle – so direkt, ehrlich, pragmatisch und in all ihren Dimensionen behandelt wie auf dieser 1. Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, heben Teilnehmende hervor.
Die Konferenz fungierte als Koalition von Ländern, die bereit sind, die Umsetzung der Energiewende voranzutreiben, ohne auf einen globalen Konsens angewiesen zu sein. Eine Strategie, die darauf abzielt, die von den großen Produzenten fossiler Brennstoffe auferlegte diplomatische Blockade zu umgehen und die Debatte in den Bereich des Handelns zu verlagern.
„So schwierig es auch sein mag, wir wissen, dass dieses Gespräch hier nicht enden darf. Wir müssen die Dynamik aufrechterhalten … und eine Koalition von Freiwilligen aufbauen“,
erklärte Irene Vélez Torres, Ministerin für Umwelt und nachhaltige Entwicklung von Kolumbien, die gemeinsam mit den Niederlanden den Vorsitz der Konferenz innehatte.
„Dies wird eine umfassende zwischenstaatliche und sektorübergreifende Plattform sein, die die UN-Klimakonvention ergänzt und darauf ausgelegt ist, die rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Wege zu identifizieren, die für den schrittweisen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen notwendig sind“,
bekräftigte sie.
Madeleine A. Wörner ist Referentin für Internationale Klima- und Energiepolitik bei Misereor und war, wie Jochen Flasbarth, vor Ort präsent. Drei Gedanken teilt sie mit und ihre Freude ist beim Telefonieren spürbar:
- „Weltlage: Dass sich nach über dreißig Jahren Klimaverhandlungen und in einer aktuellen Weltlage voller Krisen und Kriege über 50 Staaten zusammenschließen und sich gemeinsam für den fossilen Ausstieg einsetzen, ist außergewöhnlich und dringend nötig. Endlich werden die Ursachen in den Blick genommen. Denn ohne die fossilen Abhängigkeiten gäbe es die heutigen Inflationen, geopolitischen Verschiebungen und Aggressionen in dieser Form vermutlich nicht. Deshalb gilt: Der beste Zeitpunkt für den fossilen Ausstieg ist jetzt. Und in Santa Marta wurde ein Prozess beschlossen, der genau dieses Ziel konkret voranbringt.
- Leadership: Bemerkenswert ist, dass Länder wie Kolumbien und Vanuatu – gemeinsam mit ihren europäischen Co-Hosts – eine Vorreiterrolle beim fossilen Ausstieg einnehmen. Beides sind Staaten des sogenannten “Globalen Südens”, die sich mit Verweis auf die historische Verantwortung auch darauf beschränken könnten, ein Vorangehen der G7 oder G20 Staaten einzufordern. Dass sie stattdessen selbst vorangehen, zeigt echte politische Führung.
- Neue Form der Zusammenarbeit: Die Konferenz stimmt besonders hoffnungsvoll, da eine neue Form der internationalen Zusammenarbeit gewählt wurde. Neben Staaten waren auch Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften, indigene Vertreter*innen, Jugend, Frauenrechtsorganisationen und Kirchen am Tisch, um die Inhalte der Arbeitsstränge gemeinsam zu gestalten. Der neue Plurilateralismus mach deutlich: Für den Fossilen Ausstieg werden alle gebraucht.“
Mit diesem Spirit soll es weiter nach Tuvalu gehen unter Vorsitz von Tuvalu und Irland. Bis dahin soll das Bündnis weiter wachsen.
Pirmin Spiegel
15. Mai 2026


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