Amazonien – ein Wunder!?

Vor 11 Jahren war Konsens: Wir müssen das Problem lösen! Wie konnten wir das bisher akzeptieren?

Dieser Konsens war ein wesentlicher Hintergrund und Horizont der Weltklimakonferenz in Paris 2015: Es hat gedauert, die Dringlichkeit des Klimawandels und den Reichtum der Biodiversität wahrzunehmen. Der Zeitpunkt einer gemeinsamen Kraftanstrengung war gekommen, den Klimawandel besser in den Griff zu bekommen. Ehe ich mich dem Amazonasgebiet annähere, um an ihm die Dringlichkeit des Klimawandels und den Reichtum der Biodiversität durchzubuchstabieren, benenne ich zwei Schritte von wichtigen Übereinkommen.

In Kopenhagen, im Jahre 2009, waren drei zentrale Überlegungen formuliert worden:

  • die Anpassung an die Folgen des Klimawandels (adaptation),
  • die Minderung des Klimawandels (mitigation) und
  • die dauerhafte Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen für die bereits jetzt am meisten betroffenen Länder.

Sechs Jahre später (2015) wurde in Paris eine Zukunftsvision mit Netto Null Emissionen formuliert. Am eindrücklichsten bleibt die Erinnerung wegen des Ziels, die globale Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau deutlich unter 2 Grad und idealerweise auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Die Frage bleibt: warum weisen bei der Dringlichkeit so vieler Probleme wie Verlust an Biodiversität, Klimawandel, daraus entstehende soziale Konflikte, bedrohliche Formen der Umweltbelastung, Armut und Hunger, klimabedingte Migration … die Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung nicht eine höhere Dynamik auf? Wie kann eine solche lokal, regional und global intensiviert werden? (vgl. Michael v. Hauf, Nachhaltige Entwicklungspolitik, S. 179)

Vor zwei Jahen veröffentlichte die Fachzeitschrift Nature eine Studie zum Amazonas-Regenwald, der sich einem Kipppunkt nähern könnte. Dies wiederum hätte schwerwiegende Auswirkungen auf das globale Klima. Einige Teile des Waldes, vor allem im südöstlichen Amazonasgebiet, sind laut dieser Studie bereits jetzt so stark vom Menschen verändert, dass sie ihren Status als Regenwald langfristig nicht behalten können. Bereits 2020 belegte eine Studie, dass damals schon für mehr als 30 Prozent der Regenwaldfläche die Gefahr bestand, einen Kipppunkt zu überschreiten, dadurch auszutrocknen und zur Savanne zu werden.                                                

Der Amazonas ist das Herzstück dieses Urwaldes. Ein Strom, der von mehr als 1.000 Nebenflüssen gespeist wird, 17 davon sind über 1.500 km lang. Er spült etwa 20% des weltweiten Süßwassers aus. Der Regenwald ist die weltweit größte Ansammlung botanischer Arten. Allein seine Bäume absorbieren jedes Jahr 100te Millionen Tonnen Kohlendioxid, produzieren damit einen wichtigen Teil unseres Sauerstoffs und bestimmen wieviel Regen in anderen Regionen Südamerikas und darüber hinaus abgegeben wird. Dieser Kreislauf, der Jahrmillionen überlebt hat, ist gefährdet. Nicht nur an den Rändern des Dschungels beschleunigt sich die Entwaldung. Unterschiedlichste Interessen geraten vor Ort in Konflikte: Holzfäller, Minenarbeiter, Goldsucher, Großprojekte wie Wasserkraftwerke und Staudämme, Sojaanbau, Rinderzucht, Eisenbahnen, Suche nach dem Eldorado, geopolitische Dominanz… Dabei denke ich an indigene Völker – heute etwa 390 „Nationalitäten“; mehr als 100 leben in freiwilliger Isolation -, denen der Wald ein ursprüngliches und sicheres zuhause bieten soll(te) – (vgl. S. Salgado, Amazônia, S.8).

Amazonien, mit seiner reichen Biodiversität, ist multiethnisch, plurikulturell und plurireligiös. Er ist ein Spiegel der Menschheit, der in seiner Verteidigung des Lebens strukturelle und persönliche Veränderungen und Achtsamkeit fordert. Das Bedürfnis wächst, dieses Wunder zu schützen.

Pirmin Spiegel

15. Juni 2026

Ich wünsche ihnen gelingende Urlaubstage. Der nächste Blog ist für Mitte August vorgesehen.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert