Dieser weitere Blog zur „Nachhaltigkeit“ verweilt noch einmal bei der Enzyklika Laudato si und denkt den Gedanken vom letzten Blog zur Nachhaltigkeit weiter, dass „anstelle der Sorge um das ‚Gemeinsames Haus‘ … sich eine Krise von Menschlichkeit breitgemacht hat und eine Krise unserer Beziehung zur Erde und zur Natur.“
Ein umarmender Grundgedanke von Laudato si, vielleicht eine Art Resümee des gesamten Schreibens, ist der Vorschlag einer „zufriedenen Genügsamkeit“ (sobriedade feliz – 224f). Sie kontrastiert mit einer „leichtfertigen Verantwortungslosigkeit“ (59) auf der einen Seite, als „könne der Planet unter den gegenwärtigen Bedingungen noch lange Zeit fortbestehen … eine Haltung, die dazu dient, unseren Lebensstil und unsere Produktions- und Konsumgewohnheiten beizubehalten (ebd.).“ Und mit einer „fröhlichen Oberflächlichkeit“ auf der anderen Seite, die uns nicht weiter brachte, weil sie uns zu wenig daran erinnerte, „dass wir einander brauchen, dass wir eine Verantwortung für die anderen und für die Welt haben (229).“ Beide Haltungen nehmen die sozial-ökologische Krise zu wenig ernst und versuchen das aktuell herrschende Projekt zu verlängern.
Zwei Folgerungen benennt Papst Franziskus von diesen Überlegungen her.
„Damit neue Leitbilder für den Fortschritt aufkommen, müssen wir das Modell globaler Entwicklung in eine (andere) Richtung … lenken, was einschließt, über den Sinn der Wirtschaft und über ihre Ziele nachzudenken, um Missstände und Verzerrungen zu korrigieren“ (194).
Genügsamkeit öffne den Weg von einer Gier zur Freigebigkeit, von der Verschwendung zur Fähigkeit des Teilens, in einer Lebenshaltung, die bedeutet, geben zu lernen und nicht bloß aufzugeben (vgl. 9). Es geht Franziskus um ein anderes Verstehen von Lebensqualität; um einen Lebensstil, der fähig ist, sich zutiefst zu freuen, ohne auf Konsum versessen zu sein (vgl. 222).
Mögliche Handlungsoptionen auf einer lokalen Ebene vor Ort: ein solidarisches Miteinander einüben und erlernen und Verantwortlichkeit gegenüber Anderen, besonders gegenüber den Verletzlichsten; eine Unterstützung von Gruppen und Organisationen vor Ort. Auf der nationalen und internationalen Ebene: wachsam sein für die Politiken, die sich um Biodiversität kümmern, die gegen die Erderwärmung eintreten, und sie unterstützen. „Anerkennenswert ist die Aufgabenstellung von internationalen Organisationen und Vereinigungen der Zivilgesellschaft, welche die Bevölkerungen sensibilisieren und kritisch mitwirken …, damit jede Regierung ihre eigene und nicht delegierbare Pflicht erfüllt, die Umwelt und die natürlichen Ressourcen ihres Landes zu bewahren, ohne sich an unehrliche lokale und internationale Interessen zu verkaufen“ (38).
Wir sind Zeuginnen und Zeugen dieser Zusammenhänge. Und wir sind eingeladen, dass Gespräche und Diskussionen darüber in die Herzen gelangen und in die Welten von Entscheidern. Weltweit gibt es Menschen und Bewegungen, die diese Haltungen und Lebensstile bezeugen – eine bleibende Ermutigung.
Pirmin Spiegel 1. Mai 2026
Die Nummern in Klammern beziehen sich jeweils auf die Enzyklika Laudato si.


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