„Nachhaltigkeit“ ist keine Begriffsschaffung der jüngeren Zeit. Immer wieder wird der Ursprung des Wortes in Zusammenhang gebracht mit von der UNO organisierten Versammlungen in den 70ger Jahren oder mit dem Bericht des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“ im Jahre 1972, eine Studie über die Zukunft der Weltwirtschaft und die Lage der Menschheit.
Der Begriff „Nachhaltigkeit“ hat bereits eine Geschichte von mehr als 400 Jahren hinter sich. „Sustainability“ oder „sustentabilidade“ im englischen und im portugiesischen deuten auf seine lateinischen Wurzel hin: sustentare, was aufrechterhalten, stützen, erhalten bezeichnet.
Wörterbücher bieten folgende Bedeutungen an: von unten sichern; verhindern, dass etwas kaputt geht oder herunterfällt. Auf die Ökologie angewendet wäre das ein Tun, damit ein Ökosystem nicht kaputtgeht; Maßnahmen ergreifen, wie Bäume pflanzen, die Erosionen von Erde und Gestein verhindern. Aktiv formuliert meint „sustentare“, einem Biom die Möglichkeit geben, sich selbst lebendig zu erhalten, Schutz gewähren; ein umsichtiges Handeln bewirken, damit ein Biom sich mit anderen Lebensformen entwickeln kann.
Der Ursprung des Begriffs „Nachhaltigkeit“ liegt in der Forstwirtschaft. Zum Ende des Spätmittelalters, in der heraufziehenden Neuzeit, an der Wende zum 16. Jahrhundert war das Holz ein enorm wichtiger Rohstoff: zum Bau von Häusern, zum Brennholz für Heizen und Kochen, zum Bauen landwirtschaftlicher Geräte, um Schiffe zu bauen, zu „Eroberungen“. Im Jahr 1560 kam in Sachsen die Sorge um eine zukunftsfähige Nutzung der Wälder auf die Tagesordnung. Wälder sollten sich erholen können und einen dauerhaften Bestand sichern. In diesem Zusammenhang tauchte erstmals das Wort „Nachhaltigkeit“ auf, was umgehend in andere Sprachen übersetzt wurde.
Nochmals 150 Jahre später (1713) machte Hans Karl von Carlowitz Nachhaltigkeit zu einem strategischen Begriff. Wälder wurden abgeholzt, u.a. zum Bau von Hochöfen. Er formulierte den Grundsatz „schlagt stets nur so viel Holz, wie der Wald aushalten kann, so dass sein weiteres Wachstum möglich ist.“ Diese Überlegungen haben ihre Gültigkeit bis heute nicht verloren. Die Sorge zur Nachhaltigkeit der Wälder war so groß, dass eine neue Wissenschaft etabliert wurde: die Forstwirtschaft. Akademien wurden in Sachsen und Preußen gegründet, die Studenten aus verschiedensten Teilen der Welt anzog.
Hier liegen wohl die Wurzeln, dass Jahrzehnte später, nach dem Weckruf des Berichtes des Club of Rome, die Entscheidung fiel, ein Umweltprogramm der Vereinten Nationen zu schaffen (UNEP).
Inspiriert ist dieser Blog durch ein Kapitel in einem Buch von Leonardo Boff „Überlebenswichtig“ vom Jahre 2016.
Gute Tage euch und ihnen allen inmitten dramatischer und zugleich hoffnungsvoller Zeiten.
Pirmin Spiegel
15. August 2026

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