Wir über uns

Die „Alte Eisdiele“ – ein neuer Ort zum Ankommen, Fragen, Mitgestalten

Mitten in Lachen-Speyerdorf, mitten im Leben: Die Alte Eisdiele ist ein Pionierprojekt des Bistums Speyer – ein offener Begegnungsraum, der Menschen zusammenbringt.

Hier darf alles Platz haben: Fragen und Gespräche, gemeinsames Nachdenken und stilles Verweilen. Ohne Druck, ohne Erwartungen, ohne vorgefertigte Antworten.

Wir geben Impulse zu Lebensthemen, schaffen Raum für Austausch oder einfach fürs Dasein. Unsere Haltung ist offen, spirituell und nicht missionarisch – hier zeigt sich Kirche als gelebte, menschliche Begegnung.

Die Alte Eisdiele versteht sich als wachsendes Projekt, das alle willkommen heißt: unabhängig von Alter, Herkunft oder Glauben. Wer möchte, kann sich einbringen und diesen Ort mitgestalten.

Ein Raum für dich. Ein Raum für alle. Ein Raum, der wächst.

Pilger 2025/24

“Ich bin meiner Sehnsucht gefolgt …”

Rheinpfalz 02.12.2025

“Ein Ort der Wärme”

In der „Alten Eisdiele“ entwickelt sich ein Begegnungsort für Austausch und Stille. Das Bistums Speyer will so Menschen jenseits von Kirchen und Pfarrräumen erreichen.

Claudia Fischer ist eine rührige Person. Sie lebt ihren christlichen Glauben. Doch dazu musste sie einen Weg finden, der zu ihr passt. Eine Zeit lang haderte sie mit ihrer Beziehung zur Kirche. Doch sie blieb dabei und suchte für sich einen Ansatz. Jetzt ist sie als sogenannte „Pionierin“ bei der neuen Stabsstelle „Innovation und Transformation“ beim Bistum Speyer angestellt. Ihre Aufgabe liegt darin, einen Ort für Menschen zu schaffen, die sich in Übergangs- und Umbruchphasen des Lebens befinden. Der Ort soll für alle unabhängig von Alter, Glauben und Herkunft offen sein. Missionarisch ist sie nicht unterwegs und sie hat auch nicht auf alle Fragen eine Antwort. Viel wichtiger ist es, zuzuhören, Verbindungen zu schaffen und auch schwere Momente miteinander zu ertragen.

Bis sie den richtigen Ort gefunden, hergerichtet, Mitstreiter engagiert und als Team geformt hatte, verging weniger als ein Jahr. Viel Arbeit für eine Pionierin mit einer halben Stelle. Zuerst suchte Fischer im Zentrum von Neustadt nach einem Laden oder Büro, wo sie den vom Bistum beauftragten Ort errichten konnte. Sie fand nichts, was ihrer Vorstellung entsprach. Doch der Zufall half – wie so oft im Leben. Sie kam in Kontakt mit der Hauseigentümerin der „Alten Eisdiele“ in der Heinrichstraße 44 in Lachen-Speyerdorf.

Alle halfen sie mit

Da Fischer selbst aus dem Weindorf stammt, kennt sie die Bedeutung der ehemaligen Eisdiele. „Jeder aus Lachen-Speyerdorf hat schon einmal hier sein Eis geholt, mit anderen in der langen Schlange gestanden und eine gute Zeit verbracht“, sagt sie. Dass die Räume so positiv im kollektiven Gedächtnis des Ortes geblieben sind, gab für sie den Ausschlag. Fischer wurde mit der Eigentümerin schnell einig. Mittlerweile hatte sie auch ehrenamtliche Helfer engagiert, die mit ihr gemeinsam den Begegnungsort aus der Taufe heben wollten. Dazu mussten die Räume renoviert und neu eingerichtet werden. Sie fanden einen Handwerker, der unkompliziert half, und einen syrischen Stuckateur, den sie als Asylsuchenden mitbetreut hatten. Er war gerne bereit, einen Beitrag zum Gelingen zu leisten, als Dank für die Hilfe, die er erfahren hatte. Einrichtungsgegenstände wurden gespendet oder kostengünstig im Netz ersteigert. Aus dem Sammelsurium erwuchs ein Stil, der Wärme und Offenheit ausstrahlt.

 

Nun haben Claudia Fischer und ihre inzwischen sieben Ehrenamtlichen – das sind drei Männer und vier Frauen – mit einem Schnuppercafé begonnen, das schon einige Menschen aus Lachen-Speyerdorf anlocken konnte. Noch gibt es kein festes Programm, jedoch viele Ideen, die nach und nach an den Start gehen sollen. „Mal sehen, wie es sich entwickelt. Es ist ein wachsender Prozess“, sagt Claudia Fischer.

Es wird Gesprächsgruppen, Gruppen für Menschen, die sich kreativ betätigen wollen, und möglicherweise Spiele- oder Fernsehabende geben. „Mal sehen, was nachgefragt wird und wie wir es einrichten können“, so die Pionierin. Sie begrüße sehr, dass das Team völlig frei von vorgegebenen Strukturen Angebote für die Besucher machen kann. „Wir sind gläubige Christen, aber begegnen allen ohne missionarischen Eifer. Die Leute sollen kommen, bleiben oder auch wieder gehen können – ohne Zwang“, so Fischer.

Keine Therapieeinrichtung

Elisabeth Schläfke arbeitet im Ehrenamtsteam. Sie bietet in der „Alten Eisdiele“ Meditationen an, die früh morgens in den Tag helfen sollen. Im vergangenen Frühjahr verlor sie ihren Mann. Sie weiß aus eigenem Erleben, wie schwierig das Thema für Betroffene, aber auch für Außenstehende sein kann. „Wenn mich jemand fragt, wie ich mein Leben jetzt meistern kann, dann spreche ich über meinen Glauben“, sagt Schläfke. Das sei eine gute Gelegenheit und sie bleibe authentisch und glaubhaft. Es geht um Gespräche, ums Zuhören und Anvertrauen. Um Rat bitten und Hilfestellung geben.

„Therapie in welcher Form auch immer, bieten wir nicht an. Das können wir nicht und sind dazu nicht ausgebildet. Doch wenn wir merken, dass jemand mehr braucht, als nur ein offenes Ohr, werden wir diesen Menschen an die richtige Stelle vermitteln“, so die Ehrenamtliche Anne Metzel. Fischer macht deutlich: „Für uns bedeutet Kirche mehr als Mauern: Kirche geschieht dort, wo sich Menschen begegnen.“