Nachhaltigkeit – Horizonte

Meinem letzten Blog zum Ursprung des Begriffs Nachhaltigkeit will ich weitere Horizonte zufügen; sie kamen via Kommentare und Hinweise bei mir an. Und sie weisen darauf hin, dass an unterschiedlichen Orten und Zeiten die Perspektive, die Haltung, die Idee, die Wurzeln, um die es eigentlich bei Nachhaltigkeit geht – der Gemeinschaft des Lebens dauerhaft Bestand zu geben – vielerorts gelebt und erahnt wurden. Sie waren und sind zu erreichende Horizonte und haben zugleich die Verwundbarkeit von Nachhaltigkeit im Blick. Ich wurde daran erinnert, an Franz von Assisi im 13. Jhdt. zu denken. Er hat zum Beispiel seine Mitbrüder darauf hingewiesen, beim Holzholen fürs Brennen, nicht komplett den Baum zu schneiden, sondern ihm die Möglichkeit zu erhalten, wieder auszuschlagen. Im berühmten Sonnengesang, der Teil der Weltliteratur ist, steckt die Botschaft: Finde zurück zu einer neuen Wachheit für alles Leben, lerne neu staunen über das Schöne und Kostbare in der Schöpfung, lass dein Herz berühren! Wir tragen all dem Sorge, was wir lieben! Der Menschenfreund aus Assisi weist den Weg zu einer neuen Beziehungskultur, die mit jedem Menschen und “mit allem, was Atem hat,” verbindet. Da steckt viel vom Geist der Nachhaltigkeit drin.

Weitere Kommentare erzählten vom „Buen Vivir“ und was dahintersteckt. Der lateinamerikanisch-spanische Ausdruck „Buen Vivir“ steht für das „gute Leben“. Buen Vivir ist eine politische Utopie und Lebensphilosophie, die ursprünglich von den indigenen Völkern Südamerikas stammt und eine größere Gerechtigkeit im Blick hat. In Ecuador und Bolivien ist Buen Vivir zum Maßstab politischen Handelns geworden, zumindest in den Verfassungen.

Das Prinzip Buen Vivir lehnt es ab, lediglich Wachstum zu priorisieren, sondern es geht vielmehr um ein Gleichgewicht. Damit ein Gleichgewicht bestehen kann, sollen alle so gut versorgt werden, dass ihre Grundbedürfnisse befriedigt sind und sie ein würdiges Leben führen können. Buen Vivir nimmt neben dem einzelnen Menschen, die Natur und Gesamtheit in den Blick.

So ist Buen Vivir eine Plattform, ein Projekt, dessen Achsen die allgemeine Bestimmung der Güter und die Anerkennung anderer sind – ein Projekt, das alle in ihrer grundlegenden Würde berücksichtigt:

  • die Würde der Armen;
  • die Würde der Anderen (Kulturen, Pluralismus …);
  • die Würde der Erde (Territorium, Nation, Energiefrage …);
  • die Würde des Lebens (Bioethik, planetarisches Paradigma …).

Diese weiteren Perspektiven im Blick auf Nachhaltigkeit überzeugen und ermutigen mich. Sie haben in Beziehung zur Nachhaltigkeit die Gemeinschaftsgüter im Blick, ebenso integrieren sie Weisheit und eine breit angelegte Solidarität.

Pirmin Spiegel

  1. September 2026

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