Zwischen Chaos und Kairos

Erster Segensorte-Begegnungstag in Speyer

Ein spannendes und abwechslungsreiches Programm mit Keynotes, Workshops und viel Raum zum gemeinsamen Austausch erwartete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ersten Segensorte-Begegnungstags am vergangenen Wochenende in Speyer. In Zeiten voller Herausforderungen und Chancen sollte der Tag unter dem Motto „Zwischen Chaos und Kairos“ neue Inspiration und Hoffnung für die Zukunft der Kirche bieten, insbesondere unter Einbezug der Bistums-Vision.

Bischof Wiesemann (3.v.l.) zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern der Stabsstelle Innovation und Transformation sowie den philippinischen Gästen © Bistum Speyer 

„Unsere Einladung richtete sich an alle, die sich für die Vision des Bistums interessieren und die in irgendeiner Form Lust haben, die Vision ins Leben zu bringen“, erklärt Felix Goldinger, Leiter der Stabsstelle Innovation und Transformation im Bistum Speyer und Organisator des Begegnungstages. Etwa 70 Teilnehmende aus allen Teilen des Bistums waren der Einladung gefolgt. „Eine große Frage, die uns in der Stabsstelle beschäftigt, ist, wie wir die Vision des Bistums umsetzen können. Wie können wir dazu beitragen, dass Segensorte entstehen, oder solche, die wir schon haben, gestärkt werden“, so Goldinger.

Segensort in der Welt sein

Passend dazu eröffnete Speyers Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann den Tag mit einem Impuls, den er der Bistums-Vision und dem Thema Vision im Allgemeinen widmete. „Vision, das ist nicht irgendetwas für Nachtschläfer, das ist für hellwache Menschen“, so der Bischof. „Sie ist etwas für diejenigen, die die Möglichkeiten, die in der Wirklichkeit stecken, schon jetzt mit hellwachen Augen sehen.“ Eine Vision brauche etwas, das einen selbst im Inneren berührt. Auch für ihn sei es ein langer Weg, eine Lebensreise, gewesen, von den theoretischen Überlegungen des Studiums hin zu dem, was berührend und beweglich ist.

„Wir suchen heute nach Möglichkeiten und Wegen, wie die Menschheit in die Zukunft gehen kann. Das spüren wir in Politik und Gesellschaft, in unserem Lebensalltag, und das geht auch bis in den Kern der Kirchen hinein“, betonte der Bischof. Es brauche daher eine neue Vision, wofür Kirche da ist – ein Werkzeug der innersten Verbindung von Gott im Menschen, aber auch der Verbindung der ganzen Menschheit.

Im Anfang der Bistums-Vision heißt es: „Berührt und bewegt von der Menschenfreundlichkeit Gottes wollen wir Segensort in der Welt sein.“ Bischof Wiesemann: „Segensort, also Berührungsort, für die Menschen. Nicht Machtort, wo wir sagen, wie es geht, sondern Berührungsort, für die Menschenfreundlichkeit Gottes. Da steht ganz bewusst ‚Segensort in der Welt‘, nicht in unseren kleinen Kreisen. Schon allein dieser erste Satz bewegt mich persönlich. Er zeigt auch, wie unser politischer und gesellschaftlicher Auftrag heute sein kann und er kann uns eine innere Kraft geben, nicht nur zu fragen, was erledigt werden muss, sondern auch, was jemanden berührt und bewegt.“

Gäste von den Philippinen berichten von ihrer Vision

Einen großen Einfluss auf die Bistumsvision hätten, so Bischof Wiesemann, auch die gewonnenen Erfahrungen aus den sogenannten Kundschafter-Reisen gehabt. Dabei waren Vertreterinnen und Vertreter des Bistums zu Pfarreien und Diözesen auf der ganzen Welt gereist, um Einblicke in deren Form von Kirche zu bekommen. 2017 führte eine dieser Reisen auf die Philippinen, und vier Vertreterinnen und Vertreter der katholischen Kirche aus Bukal ng Tipan sind jetzt zu Besuch in Deutschland. Im Rahmen des Begegnungstags berichteten Dr. Estela Padilla, Maria Alicia Salvador Gutierrez, Jessica Joy Velasquez Candelario und Father Mark Lesage von ihrer Vision.

Eine Vision könne die Menschen, die Gläubigen in der Gemeinde, stärken und dazu ermutigen, Eigeninitiative zu ergreifen. Sie leite bei der Entscheidungsfindung und gebe dem Leben einen Sinn. Father Lesage betonte: „Die Vision ist ein inneres Bild von einem zukünftigen Staat. Er ist noch nicht da. Aber er ist in dir. Er ist in deinem Herzen. Er ist in deinen Träumen. Warum ist die Vision so wichtig? In der Bibel heißt es: Wo es keine Vision gibt, gehen die Menschen zugrunde.“ Ohne Vision würden sie entmutigt, sie seien es leid, immer wieder das Gleiche zu tun. „Wenn du keine Vision hast, dann wird dein Leben eine Wiederholung der Vergangenheit sein. Es ist wie in dem Film ‚Dinner for one‘“, so Father Lesage.

Dr. Estela Padilla erklärte, dass es für sie wichtig sei, gemeinsam zu lernen. Deshalb habe sie mehrere deutsche Diözesen zu sich auf die Philippinen eingeladen, um ihre Kirche zu erleben. Sie wolle eine Inspiration und Impulse bieten, auf Gegenbesuchen aber auch die deutsche Kirche besser kennenlernen. „Für uns zählt immer das Wort Gottes. Unsere deutschen Freunde, die wir im Laufe der Jahre kennengelernt haben, würden sagen, dass diese Art von pastoralem Ansatz, der im Wort Gottes verwurzelt ist, sehr wichtig ist. Aufgebaut durch den Austausch von Erfahrungen und den gemeinsamen Input von außen.“

Gemeinsam Kirche neu gestalten

Verschiedene Workshops boten im weiteren Tagesverlauf eine Plattform, um Kirche gemeinsam neu zu gestalten. Themen wie Migration, Umweltschutz, Sozialraumorientierung und Glauben im Alltag boten Inspiration, praktische Impulse und Raum für kreative Ideen, um eigene Visionen Wirklichkeit werden zu lassen. Gemeinsam wurde überlegt, wie in diesen Bereichen Segensorte geschaffen werden können.

„Der Segensorte-Begegnungstag war ein inspirierendes und ermutigendes Erlebnis. Besonders unsere Gäste aus den Philippinen haben uns mit ihrer lebendigen Art, Kirche zu gestalten, tief bewegt. Ihre Erfahrungen zeigten uns, wie wichtig es ist, gemeinsam nach Wegen zu suchen, die Vision des Bistums zu verwirklichen und Segensorte zu gestalten“, fasst Felix Goldinger den Tag zusammen. „Es war ein ermutigendes Zeichen, dass wir diesen Weg nicht allein gehen, sondern in einer Gemeinschaft, die sich unterstützt und inspiriert. Der Begegnungstag hat uns gezeigt: Kirche kann lebendig sein, wenn wir gemeinsam aufbrechen und Segensorte mit Leben füllen.“ Eine Wiederholung des Begegnungstages ist angedacht. Bis dahin steht die Stabsstelle Innovation und Transformation im Bistum Speyer allen, die Segensorte entwickeln, vernetzen und mit anderen teilen möchten, als Begleiterin zur Seite.

„Dieser Tag hat uns spüren lassen: Kirche wächst dort, wo wir unserer Sendung Formen geben und Segensorte gestalten. Und wir sind viele, die sich auf den Weg machen.“


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