Anders als gedacht

Die andere Welt – sie kommt. Anders als gedacht und erhofft! Sie kommt mit Dürre, mit Überschwemmungen, Kriegen, mit brennenden Wäldern, mit Missbrauch, mit Fakenews, mit Nationalismen. Wir schauen sie an und leben in ihr und wir wissen: ein Weiter-so geht nicht. Wir sehen Solidarität in dieser Welt, im Kleinen und im Großen, wir spüren eine Kraft der Liebe, ein Sorgetragen und eine Aufmerksamkeit, die ermutigen, die die Klage der Schöpfung und die Klage der Armen hören. Mich trägt, dass wir von dieser Aufmerksamkeit und Liebe her leben und wir auf sie zu leben. Ich sehe Gesichter vor mir und lese Namen in meinem Herzen, die die Vision des Festsaals, an dem alle Platz am Tisch haben und ihre Würde nicht mit Füßen getreten wird, lebten und leben. Menschen, die nachhaltig unterwegs waren und sind und ein „Wir-Denken“ bezeug(t)en. Sie sind wie Sauerteig, unvergesslich; sie sind nicht Fiktion oder Illusion, sie waren und sind real, sie sind Inspiration.

Ob solche Gedanken vorkommen werden auf der Weltklimakonferenz (COP 31) vom 9. bis 20. November in der türkischen Hafenstadt Antalya? Es wird um die Umsetzung des vor gut zehn Jahren abgeschlossenen Pariser Klimaabkommens gehen. Dieses hatte vorgesehen, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad, möglichst auf 1,5 Grad, im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Ebenso waren in Paris 2015 Wege zur Klimaanpassung gefunden worden mit Solidaritätsaussagen, wer den Verwundbarsten auf welche Weise hilft, all denen, die bereits irreversible Schäden erlitten haben. Aktuellen Berechnungen der UN zufolge steuert die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts auf eine Erderwärmung von 2,8 Grad zu und die gesamte konkrete Klimafinanzierung bleibt im Nebel. Gut, daran zu erinnern, was auf einer Veranstaltung in Köln in der vergangenen Woche der bekannte Astrophysiker Harald Lesch in fünf Kerninfos zum Klimawandel sagte.

  1. Er ist real
  2. Wir sind die Ursache.
  3. Er ist gefährlich.
  4. Die Fachleute sind sich einig.
  5. Wir können noch was tun.

In Antalya sind die beiden Kernthemen aller bisherigen Blogs präsent und könnten die Debatten und Verhandlungen prägen und ihnen Orientierung geben: „Nachhaltigkeit“ und „Globales Lernen“. Eine Nachhaltigkeit, die zum Ziel hat, die Bedingungen aufrecht zu erhalten, um der Gemeinschaft des Lebens dauerhaften Bestand zu geben. Ein Globales Lernen, das einlädt zur Frage wie wir zusammenleben wollen, wie wir voneinander lernen und wie Kooperationen gelingen können, ohne dass sie am Egoismus Einzelner und von Nationen scheitern. Eine Gestaltung der Zukunft wird dort möglich sein, wo wir Nachhaltigkeit als den gemeinsamen Nenner aller Lebensformen und unseres Handelns zugleich festlegen.

Pirmin Spiegel 1. November 2026


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